Für mich, Till- Jakob Kieweg und meinen Vorschoter Simon Grimmel (von der StSG Stuttgart) begannen die diesjährigen Osterferien schon am Samstag den 16. April mit einer Runde Bootpolieren. Als wir das Boot auf Hochglanz gebracht und auch die Nacht erfolgreich rumgebracht hatten, ging es am Sonntagmorgen in die Werkstatt von Simons Vater, wo wir auf unseren Trainer, der schon aus Polen angereist war, und das Motorboot trafen. Nach einigen Umständen beim Umladen ging es dann endlich los in Richtung slowenische Mittelmeerküste. Dort angekommen bezogen wir unser Zimmer, begrüßten noch die anderen Crews unserer Gruppe und gingen dann ins Bett.
Am nächsten Tag war dann also Segeln angesagt. Auf anfängliches Einsegeln folgten v.a. Trimmschläge und Startübungen mit anschließenden kleinen Trainingsläufen. An diesem Tag verwöhnte uns das Wetter geradezu, sodass wir bei strahlendem Sonnenschein, etwa 20 ° und knappen 3 Windstärken einen wunderbaren ersten Segeltag in diesen Ferien hatten.
In den oben erwähnten Trainingsregatten lief es für uns ausgezeichnet und wir konnten uns des durchweg mit den anderen, zum Teil aus Polen kommenden, Booten messen, ja sogar durchsetzen. So stritten wir uns, zusammen mit dem besten polnischen Boot und Tim Fischer, der immerhin schon an EM und WM teilgenommen hat, um die ersten drei Plätze.
Ähnlich sah es auch am zweiten Tag aus, wobei wir uns zu Beginn nicht richtig konzentrierten. Als dann wieder lange Trimmschläge anstanden, waren wir jedoch voll dabei und unser Boot lief sehr gut! Das konnten wir auf dem folgenden langen Spi- Kurs und bei den beiden längeren Abschlusswettfahrten bestätigten. Eine davon gewannen wir souverän mit einem nahezu start- Ziel- Sieg und die zweite beendeten wir an zweiter Stelle. Beim Reinfahren erwischten wir sogar noch etwas mehr Wind, sodass wir den Tag mit einem wunderbaren Halbwind- Spigang abschließen konnten. Phänomenal!!
Nicht ganz so phänomenal begann der dritte Trainingstag, genauer mit warten auf Wind. Als er dann nach einer (langen) Weile einsetzte, wurde er rasch stärker und hielt konstant gute zwei Windstärken. Das Wetter war wie schon an den Tagen davor sagenhaft und schnell zeigte sich, dass heute ein guter Tag werden würde! Nach einem anfänglichen 2. Platz folgten in allen anderen Trainingsläufen (an diesem Tag haben wir nichts anderes gemacht als dies Trainingsläufe) nur 1. Plätze, abgesehen von einer einzigen Ausnahme. Wir dominierten die Gruppe von etwa 10 Booten deutlich und setzten uns durchweg gegen alle Konkurrenten durch. So ist es klar, dass die Stimmung an Bord extrem gut und entsprechen heiter war. Das gute Wetter trug ebenfalls dazu bei und spätestens nach diesem dritten Tag hat jeder in der Gruppe ordentlich Farbe angenommen. Man kann also sagen, wir sind sehr sehr zufrieden, und das ist noch nicht einmal übertrieben.
Der Donnerstag sollte unser letzter Trainingstag vor dem Izola Spring Cup sein. An diesem Tag setzte der Wind recht früh ein und wir gingen pünktlich aufs Wasser. Angesichts der bevorstehenden Regatta waren nun schon zahlreiche andere Trainingsgruppen, unter anderem aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Italien, eingetroffen. Dementsprechend war die Bucht von Izola recht voll und es kam zu einigen Verwirrungen zwischen den Booten. Als wir aber trotzdem alle beieinander waren, begannen wir wieder mit Trimmschlägen. Hierbei erwies sich unser Boot, auch im Vergleich zu unserem Gruppenzuwachs, erneut als sehr schnell.
Trotzdem lief es z Beginn weniger gut, was aber in erster Linie an unserer Motivation angesichts des abflauenden Windes lag. Nach einiger Zeit hatten wir uns allerdings wieder an den eher schwachen Wind gewöhnt und wir beendeten die beiden letzten Traingsraces mit deutlichem Vorsprung auf Platz 1 (ungeachtet der Tatsache, dass noch ein weiterer WM- Teilnehmer in die Gruppe gekommen war). Also konnten wir auch diesen Tag bei bestem Wetter erfolgreich abschließen und waren bester Dinge, was das Gelingen der zu bestreitenden Regatta angeht.
Die Wirklichkeit sah dann am ersten Tag insofern anders aus, als dass es keinen Wind hatte. Und das geschlagene 5 Stunden lang, die wir mit Warten auf dem Wasser verbrachten, weil sich die Wettfahrtleitung schnelle Reaktionen offen halten wollte und deshalb nicht im Hafen warten ließ. Als gegen vier doch noch Wind kam sah es für uns eigentlich auch ganz gut aus, nachdem wir am Start sehr gut rausgekommen waren. Das Rennen verlief dann aber ziemlich chaotisch, da die Führungsgruppe den falschen Kurs abfuhr und alle anderen natürlich hinterher segelten. Als der Irrtum bemerkt wurde, begann der Wind wieder löchrig und und extrem drehend zu werden. Teilweise drehte der Wind innerhalb von 50 Metern um 180 ° und variierte in der Windstärke zwischen 0 und 4. Die Wettfahrtleitung brach dann den Lauf richtigerweise ab und der Tag war seglerisch beendet. „Mal sehen, was der folgende so für uns bereit hält!“, dachten wir uns.
Wenig Wind hielt er bereit. Wir fuhren zwar pünktlich raus und es wurde auch zügig gestartet, aber es hatte sehr, sehr wenig Wind. Nachdem wir einen akzeptablen start hingelegt hatten, wurde jedoch schnell klar, dass es über die Linke seite lief, während wir eher auf rechts gesetzt hatten. Also versuchten wir das beste daraus zu machen und kamen als 22. Boot an der Luvtonne an. Sobald wir dann auf dem ersten Halbwindkurs waren, begannen wir, Boote aufzuholen. So hatten wir uns schon am Ende diese Schenkels um weitere Boote nach vorne geschoben. Letztendlich kamen wir als 13. ins Ziel, womit wir ,angesichts der etwa 60 gestarteten Boote und der falschen Seite auf der ersten Kreuz, recht zufrieden waren. Leider schlief der Wind dann vollends ein und es kam keine weitere Wettfahrt zustande. Es hieß also wieder: Gespannt sein, was der nächste Tag bringt!
Zunächst das mittlerweile gewohnte Bild der Bucht von Izola ohne Wind. Der Wettfahrtleiter fuhr trotzdem raus und startete in absoluter Flaute eine Wettfahrt. Verständlich ist diese Entscheidung angesichts der bisherig einzigen Wettfahrt, denn er wollte den Montag nicht als Ersatztag nutzen müssen. Berechtigt ist so eine Entscheidung trotzdem nicht! Dies machte ihm das Teilnehmerfeld ab der Luvtonne auch klar (wir erreichten sie nach der Zeit, die wir sonst für eine ganze wettfahrt benötigt hätten): Alle Vorschoter stellten sich aufs Vordeck und begannen zu pumpen. Da machte sich unser Krafttraining sogar bei Flaute bezahlt und wir holten pumpenderweise noch an die 10 Schiffe, die den dreh wohl nicht so ganz raus hatten : D Beim Zielgang wurde dann allgemeines Beifallklatschen für die gelungene Wettfahrt angestimmt und danach hieß es wieder warten. Und warten. Und warten.
Nach einiger zeit, die wir zusammen mit den Polen aus unserer Gruppe verbracht hatten, kam dann urplötzlich und wie aus dem nichts, ein schöner Wind der Stärke 3 auf und es wurde unverzüglich gestartet. Auch wenn der Wettfahrtleiter am Vormittag nicht gerade souverän entschieden hat, muss man ihm sein schnelles und sicheres Handeln in dieser Situation doch positiv anrechnen. Es kam an diesem Tag noch zu 3 weiteren Läufen die wir auf den Plätzen 9, 9 und 8 beendeten. Damit schafften wir es im Gesamtergebnis auf den 9. Rang und hatten so unser Ziel in die Top- Ten zu fahren erreicht.
Es folgte abends dann noch das verladen der Boote und am nächsten Tag schauten wir noch beim 470er Training unseres Trainers zu. Am Montagabend reisten wir dann nach einer sensationellen Woche ab und begaben uns auf ein 24- Stunden- Reise nach Schwerin, wo die EM- Ausscheidung stattfinden sollte. Auch dort hatten wir recht schönes Wetter, wenn auch nicht ganz so toll wie in Izola. Dafür durften wir uns über deutlich mehr Wind freuen, genauer etwa 6 Windstärken!!
An 3 Wettfahrttagen ersegelten wir uns in insgesamt 12 Wettfahrten den 22 Platz, was in dem Starterfeld von rund 90 Booten durchaus akzeptabel aber nicht 100% zufriedenstellend war. Top- Twenty wäre eigentlich drin gewesen. Trotzdem reicht es uns damit noch auf die finale Qualifikationsregatta in Travemünde, wo nur die besten 40 Deutschlands zugelassen werden. Ob es schließlich für eine EM- Teilnahme reichen wird, werden wir dann dort sehen.
Alles in allem ist das aber ein sehr gelungener Start in die Wettkampsaison gewesen und unser mentales und konditionelles Training im Winter hat sich jetzt schon deutlich ausgezahlt. Wir haben im vergleich zu letzten Saison einen Sprung im deutschlandweiten Vergleich von etwa 20 bis 30 Boten nach vorne gemacht. Das allein ist schon sehr zufriedenstellend, wobei wir es natürlich sehr begrüßen würden, das noch mit einer EM- Teilnahme krönen zu können. Wir werden sehen…
Till- Jakob Kieweg, GER 53059, 420er